Mobile First – Neues Denken im World Wide Web

Smartphones sind alltäglich. Webseiten, die auf mobile Geräte passen noch lange nicht. "Mobile First" lautet daher der Schlachtruf modernen Webdesigns – wir erklären, was damit gemeint ist.

Große Seiten, kleine Displays

Wer ein iPhone oder Android-Gerät sein eigen nennt, der kennt das: Der Browser lädt die besuchte Seite – und man sieht so gut wie nichts. Was aus Sicht des Besuchers ärgerlich ist, ist aus Sicht des Betreibers der Website fast eine Katastrophe: Wer sein Unternehmen darstellen will, hinterlässt einen bestenfalls mäßigen Eindruck. Wer online verkaufen oder Kunden binden will, verpasst die Chance den Kunden zum Kaufabschluss zu bringen oder auf der Seite zu bleiben.

Der Grund für das Problem ist ein am stationären Schreibtisch-PC orientiertes Webdesign. Statt kleiner sind die Bildschirme hier in den letzten Jahren immer größer geworden und statt weniger können moderne Prozessoren immer mehr Daten schnell verarbeiten. Große Formate und große Bilder sind unproblematisch. Es herrscht Raum für viel Text, viele Teaser, viele Button, viele Bilder.

Gestern: Vom klassischen zum mobilen Web

Im mobilen Web aber sieht die Welt anders aus: Die Displays sind klein, und obschon die Prozessoren zwar leistungsstark sind, ist die Übertragungsrate nicht immer die Beste. Hinzu kommen andere Navigationsgewohnheiten (z..B. Finger statt Maus) und eine andere Ausrichtung von Websites (z.B. eher vertikal statt horizontal).

Wichtig ist auch die gänzlich andere Nutzungssituation: Mobil suchen Nutzer nach ganz konkreten und oft auf ihre direkte Situation bezogenen Informationen. Wichtig werden lokale Bezüge und eine maximal schnelle und einfache Befriedigung der Nutzeranliegen. 

Think mobile

Jeder Betreiber einer Website steht damit vor dem Problem, sein Angebot für seine mobiel surfenden Besucher anzupassen – und deren Zahl wächst ständig. Der naheliegendste Weg wäre es, zu versuchen, die bestehende, klassische Website abzuspecken. Am Ende steht dann oft eine vermeintlich radikale Entscheidung: "Dann fliegt halt alles raus, was wir nicht unbedingt brauchen!"

Genau hier setzt der Mobile First-Gedanke an und fragt: "Wenn wir ein Seite am Ende für Mobile eindampfen müssen (und können), warum machen wir das nicht bereits direkt und gleich von Anfang an?". Will sagen: Mobile First heißt, seine Website so zu gestalten und zu konzipieren, dass sie primär für mobile Geräte funktioniert – und alles was dazu nicht erforderlich ist, zunächst wegzulassen.

Heute: Vom mobilen zum klassischen Web

Mobile First ist mithin vor allem eine neu Art und Weise, das Web und Webdesign zu denken – und sie setzt direkt beim User und Besucher von Websites an. Mit dieser Ausrichtung weist Mobile First am Ende deutlich über eine rein optisch-inhaltlich-technische Neuausrichtung einer Website hinaus. Denn im Kern stellt Mobile First die simple Frage, was genau das (eine) wesentliche Angebot eines Website-Anbieters an seine Kunden ist – und plädiert dafür, einzig und allein dieses Angebot zu bedienen. 

Genau welche Inhalte oder Prozesse das am Ende sind, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Informationshaltige Websites haben hier andere Anforderungen als solche, die einen konkreten Prozess bedienen wie beispielsweise Shops. In jedem Fall aber zwingt Mobile First zur Konzentration auf das Wesentliche – im Sinne der Nutzer und genau deshalb am Ende auch im Sinne der Betreiber moderner Webangebote.